12 Questions – Der EFA-Talk mit Jörg Opuchlik
Jörg Opuchlik ist Sportkommentator und seit vielen Jahren in der deutschen Sportmedienlandschaft aktiv. Bei „12 Questions – Der EFA-Talk“ spricht er über seinen Weg in den Sportjournalismus, die besondere Faszination American Football, die Rolle von TV, Streaming und Social Media sowie über die Zukunft des europäischen Footballs.
Bei „12 Questions – Der EFA-Talk“ spricht Jörg Opuchlik über seinen Weg in den Sportjournalismus, die besondere Faszination American Football, die Bedeutung von TV, Streaming und Social Media sowie über die Zukunft des europäischen Footballs.
Jörg, wie bist du ursprünglich zum Sportjournalismus und zur Kommentatorenrolle gekommen?
Nun, aufgewachsen in Berlin habe ich im Radiobereich angefangen, allerdings eher in Sachen Regie und Sendeablauf. Meinen ersten Jahresurlaub habe ich dann am Stück genommen und in der Sportredaktion ein Praktikum gemacht – aber da war eigentlich klar: Das ist es.
Was fasziniert dich persönlich am American Football besonders?
Klar, die Athletik und die Action sind schon mitreißend. Aber die Taktik – nicht umsonst nennt man American Football „Schach mit Muskeln“ – fasziniert mich ungemein.
Wie schwierig ist es, American Football für ein breiteres Publikum verständlich und gleichzeitig fachlich korrekt zu kommentieren?
Da muss ich ein wenig ausholen, denn ich war ja jahrelang und bin es noch immer bei Eurosport unterwegs – und da habe ich ein Vorbild: Rolf Kalb, Snooker-Legende und leider mittlerweile im Ruhestand. Er hat es immer verstanden, diesen Ritt auf der Rasierklinge zu vollführen. Er hat Neueinsteiger genauso mitgenommen wie die Freaks und Experten – und das versuche ich ebenfalls.
Was macht für dich einen wirklich guten Sportkommentar aus?
Ein guter Sportkommentar ist zunächst einmal fachlich korrekt. Dann müssen die Emotion und die Stimmung rübergebracht werden – und es muss Spaß machen. Denn Sport macht Spaß, und genau das will ich vermitteln.
American Football ist in Deutschland und Europa in den letzten Jahren sichtbarer geworden. Wie nimmst du diese Entwicklung aus medialer Sicht wahr?
Da ist 2026 vielleicht ein kleiner Rückschritt, denn wir haben kein ProSieben MAXX oder DAZN mehr am Start. Aber beide Ligen, sowohl EFA als auch AFLE, geben ihr Bestes, damit unser Sport sichtbar bleibt.
Welche Rolle spielen TV, Streaming, Social Media und digitale Plattformen für das Wachstum von Football in Europa?
TV, Streaming und Social Media sind ungemein wichtig. Alleine Free-TV ist für die Teams wichtig in Sachen Verhandlungen mit Sponsoren oder Marketingpartnern. Und da wird richtig Gas gegeben. Beide paneuropäischen Ligen sind in Social Media präsent und richtig gut aufgestellt.
Was braucht der europäische American Football deiner Meinung nach, um langfristig mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu bekommen?
Da braucht es gar nicht mehr so viel. In der ELF konnte man zwar nicht mit Geld umgehen, aber da wurde in den fünf Jahren einiges geleistet – das sollte man nicht vergessen. Ansonsten brauchen wir eine Liga, in der alle an einem Strang ziehen.
Wo siehst du aktuell die größten Chancen, aber auch die größten Herausforderungen für Football in Deutschland und Europa?
Die größten Herausforderungen sind und bleiben das liebe Geld. Man muss sich nur mal vor Augen führen: Wenn ein Team ein Auswärtsspiel hat, dann sind da rund 70 Personen auf Reisen. Und ist es eine Entfernung, die geflogen werden muss, kommen mit Flug, Hotel – man kann ja meistens nicht am Abend des Spiels zurückfliegen – und Bus, um vor Ort von A nach B zu kommen, schnell mal 40.000 Euro zusammen. Für ein Auswärtsspiel. Jetzt muss man nicht immer fliegen, aber auch so sind 70 Personen auf Reisen ein riesiger Kostenfaktor.
Gibt es ein Football-Spiel, einen Kommentar-Einsatz oder einen besonderen Sportmoment, der dir bis heute im Kopf geblieben ist?
Das Halbfinale der ELF 2024: Rhein Fire bei der Stuttgart Surge. Strömender Regen, es war eiskalt – aber kein einziger Zuschauer hat seinen Platz verlassen. Das war beste Unterhaltung. Davon gerne mehr.
Wie wichtig sind Persönlichkeiten, Geschichten und Emotionen rund um Teams und Spieler, damit neue Zuschauerinnen und Zuschauer eine Bindung zum Sport aufbauen?
Das ist das große Plus von American Football in Europa: Die Fans und Spieler sind sich nah. Da verlässt nicht ein Spieler einfach so das Stadion. Alle sind für Gespräche, Selfies und mehr bereit.
Wenn du dir eine Sache für die Zukunft des American Footballs in Deutschland wünschen könntest: Was wäre das?
Der Merger. Ich möchte, dass alle Investoren und Ligen zusammenarbeiten und eine schlagkräftige Liga auf die Beine stellen. Das wäre der Hammer.
Zum Abschluss: Was würdest du Menschen sagen, die American Football interessant finden, aber bisher noch nicht richtig den Einstieg gefunden haben?
Geht ins Stadion. Am TV ist dieser Sport schön anzuschauen, aber im Stadion ist das etwas ganz anderes. Man kann sich im Trikot der Paris Musketeers in den Fanblock der Galaxy setzen und man wird nicht verprügelt oder mit Pyro-Mist beworfen. „Football is Family“ hat noch immer einen ganz starken Ruf in der europäischen Footballszene. Also geht in die Stadien, mit euren Kids, und habt eine schöne Zeit.
Vielen Dank an Jörg Opuchlik, dass er sich die Zeit für „12 Questions – Der EFA-Talk“ genommen hat.