Bei „12 Questions – Der EFA-Talk“ spricht Stephan Heßeling über seine ersten Football-Erlebnisse, seine Sicht auf Fans und Community, die aktuelle Lage im europäischen Football sowie über Chancen und Herausforderungen rund um EFA, AFLE und die Zukunft des Sports in Europa.

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Stephan, wie bist du ursprünglich zum American Football gekommen? Gab es einen bestimmten Moment, ein Spiel oder ein Team, das dich damals richtig gepackt hat?

Mein erster richtiger Kontakt zum American Football war ein Heimspiel von Rhein Fire in der NFL Europe. Sollte 2006 gewesen sein. Da bin ich als Eventi wegen der Unterhaltung mit ein paar Freunden im Stadion gewesen und anschließend in die Düsseldorfer Altstadt.

Vorher hatte ich im TV zwar das ein oder andere Spiel gesehen, aber das Spiel live in Düsseldorf hat mich infiziert. Ab da habe ich mit meinem damals noch kleinen Sohn jedes Spiel von Fire besucht. Leider waren es nur zwei Spielzeiten. Ich habe dann im Alter von 27 Jahren selber angefangen zu spielen und bin recht schnell als Coach aktiv geworden.

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Was fasziniert dich bis heute am meisten an diesem Sport? Ist es die Taktik, die Emotion, die Härte, die Community oder genau diese besondere Mischung?

Alles in allem ist Football ein spektakulärer Sport. Auf dem Feld, das Drumherum und die Fans genauso. Somit fühle ich mich im Ganzen abgeholt. Das, was ich aber bei der ELF und hoffentlich auch bei den beiden neuen Ligen noch mehr mag, ist die Kombination von Leistungsport und Fannähe.

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Du bist in der Football-Community aktiv und teilst deine Sicht auf aktuelle Themen. Warum ist dir dieser Austausch mit anderen Fans wichtig?

Ich durfte in den letzten Jahren mit so vielen Menschen aus dem Football sprechen.

Und es ist egal, ob Fan, Spieler, Coach oder Funktionär – alle sind auch Fan.

Jeder hat seine eigene Geschichte, wie er zu unserem Sport gekommen ist beziehungsweise wie er dazu steht, und alle sollte man wahrnehmen. Ich für meinen Teil liebe es eben, direkt mit jedem zu sprechen, der Lust dazu hat, um dann das Gesamte weiter nach vorne zu bringen.

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Wie erlebst du die Football-Szene in Deutschland und Europa aktuell? Hat sich die Community in den letzten Jahren aus deiner Sicht verändert?

Aktuell und auch in den nächsten Jahren ist unser Sport sehr von Umbrüchen geprägt.

Die Gründung der ELF. Die neuen Wege der GFL. Die EFA- und die AFLE-Situation.

Es bewegt sich viel und nicht jeder kann oder will das so mitmachen beziehungsweise versteht, was die jeweiligen Gründe dafür sind. Den einen Fan verliert man dadurch, aber ich glaube, es werden auch immer neue dazukommen. Das hat und wird Einfluss auf die Community haben.

Zusätzlich ist es Fakt, dass die größte Football-Fanszene im deutschsprachigen Raum verortet ist. Durch den Wegfall von Sea Devils, Centurions, Surge und weiteren Teams geht so ein großer Teil der Fans für den europäischen Football verloren. Ich hoffe, das kann in den nächsten Jahren wieder gut gemacht werden.

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Du sprichst Football-Themen oft direkt und ehrlich an. Wie wichtig ist eine klare Fanmeinung für die Entwicklung des Sports?

Ich glaube, dass Fans im Normalfall mit den Füßen ihre Meinung äußern.

Heißt: Gehen sie nicht ins Stadion oder schauen die Spiele nicht im Stream oder TV, gefällt etwas nicht. Hier ist ein enger Kontakt sehr wichtig. Zum Beispiel über Fanbeauftragte oder Fanclubs.

Eine klare oder eindeutige Fanmeinung wird es aber nie geben. Dafür gibt es einfach auch zu große Unterschiede in der Fanszene. Je nach Land, Region oder Liga.

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Was macht für dich einen echten Football-Fan aus? Stadionbesuche, Treue zum Team, Diskussionen, Support in schwierigen Phasen – oder etwas ganz anderes?

Ich bin der Meinung, den gibt es nicht. Jeder ist und kann Fan sein. Ob Hardcore-Fan oder gelegentlicher Stadiongänger.

Wichtig ist für mich, dass jeder Fan sich benehmen kann, mitfiebert und sich auch freut, wenn das gegnerische Team einen geilen Touchdown macht.

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Wie siehst du die aktuelle Entwicklung rund um EFA, AFLE und den europäischen Football insgesamt? Ist das aus deiner Sicht eher eine große Chance, eine Herausforderung oder beides?

Wir haben bei Foot Bowl beziehungsweise in der Webshow in diesem Winter viel darüber gesprochen.

Es hätte jederzeit das Ende für den europäischen Football sein können, es ist aber wohl eher eine Weiterentwicklung geworden. Wo das Ganze hinführt, keine Ahnung. Aber was ich weiß: Die handelnden Personen müssen wieder zusammenfinden. Ein Erfolg wird es nur, wenn es am Ende eine starke, verlässliche und spannende Liga gibt.

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Was läuft im europäischen Football deiner Meinung nach bereits gut – und wo gibt es noch deutlich Luft nach oben?

Gut ist, dass es weitergeht. Dass viele richtig gute Spieler in Europa spielen wollen. Dass es Möglichkeiten gibt, unseren Sport in TV oder Stream zu sehen. Dass es tolle und verrückte Fans gibt.

Schlecht ist die aktuelle Situation. Wären die Möglichkeiten und Kräfte der AFLE und der EFA in einer Liga gebündelt, hätten wir dieses Jahr ein irre gutes Ergebnis und fast alles, was ich mir von einer europäischen Liga wünsche.

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Welche Rolle spielen Social Media, Reels, Podcasts und Fan-Content heute für Football in Europa? Können Fans und Creator dabei helfen, den Sport sichtbarer und größer zu machen?

Es geht nur noch über diese Wege. Ich gehöre ja quasi auch zum alten Eisen und schaue noch lineares Fernsehen. Alles unter 30 Jahre tut das nicht mehr.

Das Internet mit allen Möglichkeiten ist schneller und aktueller. Trotzdem muss es eine gewisse Qualität haben. Da hapert es. Weil die Mittel nicht da sind oder die Zeit.

Ich würde aber sagen, die Schritte in den letzten Jahren sind gut. Am Ende ist es aber nur möglich, mit großer Reichweite außerhalb der Football-Bubble neue Fans zu begeistern.

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Gibt es ein Football-Erlebnis, ein Spiel oder einen besonderen Moment, den du nie vergessen wirst? Was macht genau diesen Moment für dich so besonders?

Es gibt ein paar Momente als Spieler und Coach in den unteren Spielklassen, die sich anfühlten, als hätte man gerade den Super Bowl gewonnen.

Das sind meist keine Titel oder so gewesen, sondern einfach die Bestätigung, dass deine Idee oder Entscheidung geholfen hat, zum Erfolg zu gelangen. Auch wenn Spieler, die ich motivieren musste, am Ball zu bleiben, ihren Durchbruch haben, ist das einfach toll zu sehen.

Mit Bezug auf die letzten Jahre, wo ich oft auch Gegenwind bekommen habe, weil ich an das Projekt ELF beziehungsweise europäische Liga geglaubt und diese unterstützt habe, war das Finale in Duisburg. Der ganze Tag hat mir bestätigt, was im Football in Europa möglich ist.

Auf der Fanparty habe ich gefühlt mit 1000 Leuten gesprochen, die alle einen guten Tag hatten. Das war im Ganzen ein toller Moment.

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Wenn du dir für den Football in Deutschland und Europa eine Sache wünschen könntest: Was müsste sich unbedingt verbessern?

In unserem Sport wird vieles gemacht, weil Menschen Spaß daran haben. Bei den Teams, an den Spieltagen, in der Berichterstattung, bei und für die Fans. Und dieser Spaß darf nicht verloren gehen.

Spaß und Freude ist etwas, das man teilen und weitergeben kann ohne Mühe und Kosten. Und die Sichtbarkeit von Spaß und Freude muss von den Teams und Fans verbessert werden. Das verbindet und sorgt dafür, dass neue Fans dazukommen. Den Spaß will eigentlich jeder haben.

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Zum Abschluss: Was möchtest du Menschen sagen, die American Football spannend finden, aber noch nicht richtig in die Szene eingetaucht sind? Warum lohnt es sich, Football und seine Community näher kennenzulernen?

Um bei meiner vorherigen Antwort zu bleiben: Willst du Spaß haben, komm ins Stadion.

Ich kenne keine andere Fanszene, die so offen ist und sofort Menschen aufnimmt.

Es gibt immer jemanden, der bei Regeln hilft. Es gibt immer Möglichkeiten, nah an die Stars zu kommen. Du musst nur wollen und schon bist du willkommen.

Denn Football is Family.

Vielen Dank für das Interview.

Vielen Dank an Stephan Heßeling für seine offenen und ehrlichen Antworten. Sein Blick zeigt, wie wichtig Fans, Nähe, Leidenschaft und Gemeinschaft für den Football in Europa sind.