Hendrik zeigt klar: Europäischer Football braucht nicht nur Scores, Signings und Headlines – sondern echte Geschichten, mehr Tiefe, mehr Zusammenarbeit und Respekt zwischen allen Seiten.

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Hendrik, wie bist du damals zum American Football gekommen?

Das war ungefähr im Jahr 2012. Ein Arbeitskollege hat mir damals vom Super Bowl erzählt. Vorher hatte ich American Football ehrlich gesagt kaum auf dem Schirm. Man kannte es aus Filmen, wusste grob, dass es existiert, aber ich hatte es nie aktiv verfolgt. Durch ihn habe ich mir dann mein erstes Spiel angeschaut und war sofort fasziniert.

Im Jahr darauf habe ich immer mehr Spiele gesehen, zuerst nur die Playoffs, später dann auch durch die Übertragungen bei ran immer regelmäßiger. In der Zeit bin ich auch ein bisschen Colts-Fan geworden. Ab da habe ich wirklich jeden Sonntag Football geschaut und konnte nicht mehr davon loskommen. Fußball habe ich im Vergleich irgendwann komplett ausgeblendet, weil ich es einfach weniger spannend fand.

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Was hat dich am europäischen Football von Anfang an besonders fasziniert?

Mich hat vor allem die Nähe fasziniert. Natürlich ist die NFL das große Vorbild, aber in Europa hast du die Möglichkeit, wirklich nah dran zu sein. Man kann mit Spielern sprechen, sie persönlich kennenlernen und bekommt Einblicke, die man sonst nicht hat. Das macht den Sport hier extrem greifbar.

Gleichzeitig fand ich die Qualität nie schlecht. Im ersten Jahr der ELF war das Niveau in Ordnung und hat sich dann von Jahr zu Jahr deutlich gesteigert. Natürlich gab es auch einzelne Teams, die man dabei ausklammern kann, aber das ist eine andere Geschichte. Insgesamt war es immer ein Produkt, das man sich gut anschauen konnte.

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Wie ist die Idee entstanden, mit Foot Bowl eine eigene Plattform für europäischen Football aufzubauen?

Das entstand schon vor der ersten ELF-Saison. Es gab einfach kaum Informationen über Spieler. Über Imports hat man noch etwas gefunden, aber über viele europäische Spieler fast gar nichts. Das hat mich extrem gestört. Also habe ich angefangen, selbst Fragen zu stellen und die Antworten zu veröffentlichen.

Im Prinzip genau das, was du jetzt auch machst. Dadurch haben immer mehr Leute unsere Inhalte gelesen, weil es einfach kaum Alternativen gab. Mit der Zeit ist das Ganze immer größer geworden und so ist Foot Bowl Schritt für Schritt entstanden.

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Was war für dich bisher der schönste oder spannendste Moment mit Foot Bowl?

Da gibt es viele Momente. Das Wachstum an sich war schon sehr spannend. Irgendwann merkt man, dass man von Teams, Franchises und auch anderen Medien wahrgenommen wird. Wenn man dann in größeren Medien wie FAZ, Bild, ran und Co. zitiert wird, ist das schon etwas Besonderes.

Auch wenn Inhalte einfach geklaut werden, was eigentlich nicht korrekt ist, fühlt es sich irgendwo trotzdem wie eine Form von Anerkennung an. ran.de hat das in der Vergangenheit schon ein, zwei Mal gemacht. Dazu kommen Aktionen für den guten Zweck, zum Beispiel als wir Heimkinder zu Spielen geschickt haben.

Und natürlich die persönlichen Begegnungen. Nach mittlerweile sechs Jahren kennt man in ganz Europa Leute und kann überall sofort Gespräche führen. Das macht unglaublich viel Spaß.

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Foot Bowl berichtet über viele Teams, Spieler und Entwicklungen: Wie wichtig ist dir dabei Neutralität?

Neutralität ist extrem wichtig, vor allem bei News und Artikeln. Natürlich gibt es Situationen, in denen Emotionen hochkommen und man Dinge am liebsten sehr deutlich kritisieren würde. Das passiert vor allem in Formaten wie der Webshow.

Aber in der klassischen Berichterstattung versuchen wir wirklich zu 99 Prozent neutral zu bleiben. Ganz ohne Emotionen geht es nie, weil wir am Ende auch nur Menschen sind, aber der Anspruch ist klar.

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Wie schwierig ist es, nah an der Szene zu sein und trotzdem alle Teams und Spieler gleich zu behandeln?

Eigentlich ist das gar nicht so schwierig. Jedes Team macht mal Fehler und jedes Team macht auch gute Dinge. Wir haben mit keinem Team Probleme und behandeln alle gleich.

Kein Spieler wird besser dargestellt, nur weil er bei einem bestimmten Team spielt. Respekt ist für uns die Grundlage und den bekommen wir auch von den Teams zurück. Deshalb ist es für uns ein No-Brainer, alle gleich zu behandeln.

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Gibt es im europäischen Football bestimmte Geschichten oder Menschen, die dich persönlich besonders beeindruckt haben?

Es sind weniger einzelne Personen, sondern eher die Geschichten dahinter. Bei Recherchen entdeckt man immer wieder Dinge, die man so nicht erwartet.

Spieler, die bei Olympia waren, andere, die bei Ninja Warrior teilgenommen haben oder generell ungewöhnliche Lebensläufe mitbringen. Solche Geschichten sind extrem spannend. Auch Spieler, die ihre Aufmerksamkeit nutzen, um etwas Gutes zu tun, beeindrucken mich immer wieder.

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Was zeichnet für dich eine starke Football-Community aus – egal ob in Frankfurt, München, Tirol, Wien, Prag oder an einem anderen Standort?

Respekt untereinander ist das Wichtigste, unabhängig vom Team. Das funktioniert im Football oft sehr gut. Eine starke Community steht hinter ihrem Team, egal wie die Situation ist.

Ein gutes Beispiel sind die Barcelona Dragons. Trotz wenig Zuschauer war die Unterstützung extrem laut und leidenschaftlich. Das zeigt, dass es nicht auf die Größe ankommt, sondern auf die Einstellung. Aber auch große Standorte wie Frankfurt, München, Tirol, Wien oder Prag haben starke Communities, die den Sport tragen.

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Wie siehst du die aktuelle Situation im europäischen Football mit EFA, AFLE und den verschiedenen Strukturen?

Es ist eine sehr spannende Situation. Einerseits wäre eine große gemeinsame Liga natürlich ideal. Andererseits sorgt Konkurrenz dafür, dass sich beide Seiten verbessern müssen.

Auch wenn es nicht offen zugegeben wird, kämpfen die Ligen darum, das bessere Produkt zu bieten. Das kann dem Sport insgesamt helfen. Trotzdem wäre langfristig eine gemeinsame Struktur wahrscheinlich die beste Lösung.

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Was müssten Ligen, Teams, Fan-Communities und Medien gemeinsam besser machen, damit europäischer Football weiter wächst?

Es braucht mehr Tiefe in der Berichterstattung. Spieler sollten nicht nur vorgestellt werden, sondern man sollte ihre Geschichten erzählen. Dadurch werden sie für Fans greifbarer.

Außerdem ist Zusammenarbeit entscheidend. Medien, Teams und Ligen müssen enger zusammenarbeiten. Wenn alle an einem Strang ziehen, wächst der Sport automatisch weiter.

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Welche Storys, Menschen oder Entwicklungen im europäischen Football sollten aus deiner Sicht mehr Aufmerksamkeit bekommen?

Vor allem der nationale Football, zum Beispiel die GFL, bekommt zu wenig Aufmerksamkeit. Es ist die höchste Liga, aber viele Spieler sind weiterhin im Amateurbereich unterwegs und bekommen kaum Wertschätzung. Das steht in keinem Verhältnis zur Leistung, die dort gebracht wird.

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Welche Botschaft möchtest du allen Fans mitgeben, die Football in Europa unterstützen – unabhängig von Liga, Teamfarben oder Standort?

Bleibt dran, unterstützt eure Teams und den Sport insgesamt. Egal welche Liga, welches Team oder welcher Standort. Ohne die Fans funktioniert Football in Europa nicht.

Vielen Dank für das Interview.

Ein großes Dankeschön an Hendrik Müller, dass er sich die Zeit genommen hat, unsere 12 Fragen so offen und ausführlich zu beantworten. Genau solche Stimmen machen deutlich, warum Football in Europa mehr ist als nur ein Spiel.