Preston spricht über seine ersten Football-Erlebnisse, besondere Stadien, Fan-Kultur, NFL Europe, EFA, AFLE und darüber, was Football in Europa wirklich ausmacht.

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Preston, wie bist du zum europäischen Football gekommen?

Mein erstes europäisches Spiel war 1989, als ich mein lokales Team, die Manchester Spartans, gegen die Amsterdam Crusaders in den Euro-Bowl-Playoffs gesehen habe. Es war ein spannendes Spiel, das Manchester gewann – leider hatte ich damals kein Geld, um zum Finale nach Italien zu reisen.

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Was fasziniert dich so sehr daran, durch Europa zu reisen, um Football-Spiele zu sehen?

Ich liebe es, verschiedene Städte zu bereisen, neue Fans kennenzulernen und etwas über ihre Kulturen zu erfahren. Die alte NFL Europe hat gezeigt, dass Fans aus verschiedenen Ländern zusammenkommen können, um eine einzigartige, freundliche und spaßige Atmosphäre zu schaffen.

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Welche Stadt oder welches Stadion hat dich bisher am meisten beeindruckt?

Wenn es um eine Stadt geht, wird meine Antwort immer Düsseldorf sein. Die Fan-Community von Rhein Fire ist auch nach dem Ende der NFL Europe zusammengeblieben und war wieder bereit, als die ELF kam. Es ist sehr schade, dass Rhein Fire aktuell nicht Teil der EFA ist.

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Wo hast du bisher die beste Football-Atmosphäre in Europa erlebt?

Schwierige Frage. Für mich steckt die beste Atmosphäre oft in kleinen Momenten – manchmal vor oder nach dem Spiel. Zum Beispiel beim ELF-Halbfinale letztes Jahr in München: Die starke Freundschaft zwischen beiden Fanclubs war vor und nach dem Spiel spürbar, trotz der bitteren Heimniederlage der Ravens.

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Gibt es ein Spiel, das du niemals vergessen wirst?

Ich würde sagen: World Bowl 1998 in Frankfurt im Regen. Fast 50.000 Fans waren im Stadion. Auch wenn das Spiel nicht besonders knapp war, war es ein unvergessliches Erlebnis.

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Welche Unterschiede bemerkst du zwischen den Football-Fankulturen in verschiedenen europäischen Ländern?

Ich denke, sobald wir für eine Football-Party zusammenkommen, werden die Unterschiede eigentlich klein. Am Ende sprechen wir alle dieselbe Sprache:

„Football is Family.“

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Welche Teams oder Fanbases haben dich besonders beeindruckt?

Unter den EFA-Teams war ich sehr beeindruckt davon, wie schnell sich die Ravens Crowd im ersten ELF-Jahr organisiert und die Fans zusammengebracht hat. Standing Purple in Frankfurt ist ebenfalls eine starke Hardcore-Gruppe reisender Fans. Es ist spannend, dass München und Frankfurt dieses Jahr endlich aufeinandertreffen. Und wir sollten auch beobachten, wie sich die Nordic Stormchasers in diesem Jahr entwickeln.

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Was macht für dich einen perfekten Football-Gameday aus?

Ein perfekter Gameday bedeutet für mich der ganze Tag. Er beginnt mit einem frühen Tailgate – am besten mit Fans beider Teams. Dann ein spannendes Spiel, ordentlich Stimmung und danach kommen alle noch einmal zusammen, um Spielern, Coaches und Cheerleadern für ihre harte Arbeit und Leidenschaft zu danken. Wenn dann noch Sonne und ein oder zwei kalte Bier dazukommen, ist es perfekt.

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Planst du deine Reisen eher spontan oder lange im Voraus?

Da ich immer mit dem Zug aus London anreise, muss ich im Voraus planen. Und dann drücke ich die Daumen, dass die Ligen den Kickoff-Tag oder sogar die Stadt nicht kurzfristig ändern.

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Wie siehst du die Entwicklung des europäischen Footballs in den letzten Jahren?

Die ELF hat zeitweise gezeigt, was möglich sein könnte – aber es hätte eine professionellere und vertrauenswürdigere Struktur gebraucht. Eine kleinere und wettbewerbsfähigere Liga wie die EFA war deshalb ein sinnvoller Weg nach vorne. Umso frustrierender ist es, dass einige Teams mit der AFLE die Allianz gespalten haben und teilweise dieselben Fehler wie die ELF wiederholen. Zwei Ligen, die um Aufmerksamkeit und dieselben Sponsoren konkurrieren, sind nicht gut.

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Was muss passieren, damit Football in Europa noch größer wird?

Schwierige Frage. Die NFL wird ihre Präsenz in Europa weiter ausbauen, aber 20 Jahre NFL London Games hatten nur wenig Einfluss auf den Grassroots-Football in Großbritannien. Die EFA-Teams müssen einen Weg finden, Vertrauen zurückzugewinnen und eine stabile Basis aufzubauen, von der aus man wachsen kann.

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Welche Botschaft möchtest du allen Fans mitgeben, die den europäischen Football unterstützen und gemeinsam wachsen lassen wollen?

Unterstützt euer Team, kommt zu den Spielen und habt Spaß!

Vielen Dank für das Interview.

Danke, Preston, für deine ehrlichen Antworten und deinen Blick auf den europäischen Football. Genau solche Stimmen zeigen, warum dieser Sport mehr ist als nur ein Spiel: Reisen, Freundschaften, Leidenschaft und Community. Football is Family.