Sabrina zeigt eindrucksvoll, wie viel Herzblut, Organisation und Leidenschaft in der Arbeit hinter den Kulissen stecken. Von der Vorbereitung der Ausrüstung bis zur Versorgung am Gameday sorgt sie gemeinsam mit dem Staff dafür, dass sich Spieler und Coaches voll auf Football konzentrieren können.

01

Wie bist du damals zu den Raiders Tirol gekommen?

Im Jahr 2023 gab es einen Volunteer Call auf Social Media, wo ich mich direkt mit meinem Mann zusammen beworben habe. Er als Assistant Coach und ich für das Equipment Management und die Sideline-Betreuung.

02

Was hat dich dazu bewegt, dich als Volunteer im Football zu engagieren?

Ich bin ein eher introvertierter Mensch, deshalb war es für mich schon eine kleine Herausforderung, mich für so einen Job zu bewerben. Gleichzeitig wollte ich aber ein Hobby finden, das mir ermöglicht, draußen zu sein, neue Menschen kennenzulernen und noch mehr über den Sport zu lernen. Als Football-Fan die Chance zu bekommen, direkt am Feld zu stehen und so nah am Team dabei zu sein, muss man einfach nutzen.

03

Wie sieht ein typischer Gameday für dich aus?

Ein typischer Gameday beginnt für uns meist schon am Donnerstag oder Freitag im American Football Zentrum, wo auch das gesamte Equipment gelagert ist. Dort packen wir die komplette Gameday-Gear der Spieler, also Jersey, Hose und Socken sowie die gesamte Sideline-Ausstattung zusammen. Bei Heimspielen im Tivoli Stadion hat jeder Spieler seinen festen Platz in der Kabine. Dort hängen wir die Uniform direkt auf seinen Platz, sodass alles bereit ist, wenn sie ins Stadion kommen. Bei Auswärtsspielen werden die Uniformen zu Paketen gefaltet und vor Ort direkt an die Spieler ausgegeben. Danach wird die Sideline aufgebaut und die Warm-up-Phase beginnt. Während des Spiels beginnt die Sideline-Action. Es muss jederzeit ausreichend Wasser und isotonische Getränke geben. Nach jedem Drive bekommen die Spieler sofort eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt. Defekte Ausrüstung wird so schnell wie möglich repariert oder ersetzt. Zusätzlich gibt es frisches Obst, Nüsse, Traubenzucker und Energieriegel zur Versorgung. Nach dem Spiel wird die Sideline wieder abgebaut und die Gameday-Uniformen sowie vergessene Gegenstände eingesammelt. Gerade Handschuhe oder Visiere bleiben oft am Feld zurück. Bei Auswärtsspielen wird alles wieder in den Bus geladen, bei Heimspielen geht es nur über die Straße zurück ins American Football Zentrum. Dort starten wir direkt mit der ersten Ladung Wäsche, damit alles für das nächste Spiel wieder bereit ist.

04

Was sind deine Aufgaben als Volunteer bei den Raiders Tirol?

Ich bin zuständig für die Vorbereitung und Verwaltung der gesamten Ausrüstung. Dazu zählen Helme, Shoulder Pads, Jerseys, Hosen sowie Visiere und Mundschutz. Alles muss vollständig, sauber und einsatzbereit sein. Zu Beginn der Saison bekommen die Spieler ihre Helme, Shoulder Pads und die Trainingsausrüstung ausgehändigt, die sie über die gesamte Saison behalten. Ein weiterer wichtiger Teil ist die individuelle Anpassung der Ausrüstung. Helme müssen exakt sitzen, da sonst sowohl der Komfort als auch die Sicherheit des Spielers darunter leiden. Gleiches gilt für die Shoulder Pads. Dazu kommen die Wartung und Reparatur der Ausrüstung. Kleine Schrauben an Helmen gehen schnell verloren und auch bei den Shoulder Pads kann es vorkommen, dass etwas reißt. Während eines Gameday versuchen wir alles so schnell wie möglich zu reparieren. In den Tagen danach wird das Equipment dann gründlich instandgesetzt, damit nicht sofort wieder dieselben Probleme entstehen. Auch die Reinigung der Gameday-Uniformen im American Football Zentrum fällt in unseren Aufgabenbereich. Wir sind dafür verantwortlich, dass Spieler und Coaches sich voll auf ihre Aufgaben konzentrieren können und sich darauf verlassen können, dass alles da ist, was sie brauchen.

05

Was macht die Arbeit hinter den Kulissen für dich besonders?

Jedes Jahr neue Menschen kennenzulernen, langjährige Spieler nach der Offseason wieder zu sehen und hautnah erleben zu können, wie das Team aus alten und neuen Spielern zu einer Familie zusammenwächst. Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt, dennoch bin ich so immer mittendrin.

06

Gibt es einen Moment bei den Raiders, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mittlerweile konnte ich viele besondere Momente mitnehmen. Jedoch gab es einen besonders schönen Moment für mich. 2024 wurden wir zwei Equipment Managerinnen zum Teambuilding-Event eingeladen. Es gab einen Ausflug zum See und wir übernachteten dort. Abends wurde noch gegrillt. Danach fand die Rookie Show statt, zu der wir ebenfalls eingeladen wurden. Was für uns eine große Ehre war und mit viel Vertrauen uns gegenüber verbunden war. Denn, was in der Rookie Show passiert, bleibt auch dort. Abends saßen wir dann alle am Lagerfeuer. Das war der Moment, in dem ich mich zu 100 Prozent als Teil des Teams gefühlt habe. Egal ob Spieler, Coach oder Staff, wir sind ein Team.

07

Wie würdest du die Raiders-Family und die Atmosphäre in Innsbruck beschreiben?

Bei den Raiders Tirol geht es nicht nur um Football, sondern um Zusammenhalt. Man kennt sich, man hilft sich, und neue Leute finden sofort einen Platz, als wären sie schon ewig dabei. Schon allein das Panorama, was man im Tivoli Stadion geboten bekommt, macht es besonders. Aber die Stimmung, die man im Stadion erlebt, kommt von Herzen. Das hört man auch. Ob Sieg oder Niederlage, die Fans lassen es krachen und unterstützen das Team.

08

Was bekommen Fans von der Arbeit der Volunteers oft gar nicht mit?

Wie viel Zeit für das Team investiert wird, was aber für mich auch Quality Time ist. Dank dem Volunteer-Programm habe ich eine meiner besten Freundinnen kennengelernt und darf das Equipment Management mit ihr gemeinsam machen. Drei Mal die Woche sind wir beim Training am Abend und am Wochenende bei den Gamedays. Wir sind schon vier oder fünf Stunden vor dem Spiel im Stadion, um die Kabinen perfekt vorzubereiten. Das macht uns aber Spaß, besonders auf Kleinigkeiten Wert zu legen, um es perfekt zu machen.

09

Was ist das Schönste daran, Teil eines Football-Gamedays zu sein?

Wenn du Teil des Staffs oder Volunteers bist, bist du kein Zuschauer mehr. Man kann etwas dazu beitragen, dass der Gameday für das Team und die Fans zu einem tollen Tag wird. Der Nervenkitzel vor dem Kickoff, die pure Freude an der Sideline bei einem Touchdown und die Energie und Emotionen des Teams so hautnah an der Sideline miterleben zu dürfen – das ist etwas ganz Besonderes.

10

Wie wichtig sind Volunteers deiner Meinung nach für den europäischen Football?

Es braucht Menschen, die aus Liebe zu ihrem Verein und der Leidenschaft zum Sport ihre Freizeit widmen, um anderen ein Erlebnis und einen Gameday bieten zu können. Wenn man bedenkt, wie viele Volunteers an einem Gameday involviert sind, wie Sideline-Crew, Chain- und Ball-Crew, Social Media, Gameday-Organisation und viele mehr: Ohne diese Volunteers hätte es der Football in Europa wahrscheinlich um einiges schwerer.

11

Was würdest du Menschen sagen, die überlegen, selbst Volunteer bei einem Football-Team zu werden?

Einfach machen! Ich würde mich jederzeit wieder dafür bewerben. Ich habe das Glück, jedes Jahr neue Städte zu sehen. Ich investiere meine Zeit und Leidenschaft und kann reisen und gemeinsame Zeit mit Menschen verbringen, die mir am Herzen liegen. Neue Stadien zu sehen, andere Teams zu treffen und Menschen bei ihrem Hobby zu unterstützen, ist etwas sehr Schönes.

12

Was wünschst du dir für die Zukunft der Raiders Tirol und des europäischen Footballs?

Wie bei allem im Leben gibt es Höhen und Tiefen. Jetzt wird es endlich wieder Zeit für ein Hoch. Für die Raiders Tirol und den europäischen Football wünsche ich mir, dass er weiterwächst, aber sich dabei treu bleibt. Mehr Aufmerksamkeit, bessere Strukturen und starke Nachwuchsarbeit, ohne dieses besondere Familiengefühl zu verlieren, das unser Team ausmacht.

Vielen Dank für das Interview.

Ein großes Dankeschön an Sabrina für ihre offenen und persönlichen Antworten. Ihr Blick hinter die Kulissen zeigt, wie wichtig Volunteers für ein funktionierendes Team und für den europäischen Football insgesamt sind. Genau solche Menschen machen den Sport besonders.