12 Questions mit Nouredin Nouili
Nouredin Nouili bringt eine außergewöhnliche Football-Reise mit nach München: Wetterau Bulls, Highschool-Football, Colorado State, Nebraska, NFL-Chance bei den New Orleans Saints, CFL-Erfahrung und nun Munich Ravens. Im 12-Questions-Talk spricht der Offensive Lineman über seinen Weg, Nebraska als zweite Heimat, seine NFL-Erfahrung, die Bedeutung von Teamwork und warum ihm Kendral Ellison und Sean Shelton gezeigt haben, dass Football am Ende vor allem von Menschen lebt.
Vom ersten Training bei den Wetterau Bulls bis zur großen College-Football-Bühne in Nebraska: Nouredin Nouili hat einen Weg erlebt, von dem viele junge europäische Spieler träumen. Jetzt trägt er bei den Munich Ravens die #63 und will dem Team mit Erfahrung, Haltung und Freude helfen – egal ob in der Offensive Line, auf einer anderen Position oder einfach als bester Teammate.
Nouredin, du bist in Deutschland geboren und hast später den Sprung in den Football der USA geschafft. Wie hat deine Football-Reise ursprünglich begonnen?
Meine Football-Reise hat eigentlich mit Fußball angefangen. Irgendwann hatte ich den Spaß an diesem Sport verloren und habe andere Sportarten ausprobiert. Dann meinte mein Stiefvater, ich solle Football ausprobieren. Er ist seit den 90ern Patriots-Fan und hatte damals in der NFL Europe Season Tickets für die Galaxy. Nach meinem ersten Training bei den Wetterau Bulls habe ich den Sport direkt geliebt. Bis heute hat Football mich im Leben weitergebracht, als ich es mir jemals hätte vorstellen können.
Viele deutsche Spieler träumen davon, in den USA College Football zu spielen. Wann war für dich klar: Ich will diesen Weg wirklich gehen?
Ehrlicherweise dachte ich nie, dass ich gut genug für College Football wäre. Ich glaube, der erste Moment, in dem ich es wirklich gefühlt habe, war, als College Coaches zu meinem Highschool-Spiel gekommen sind, um mir zuzuschauen.
Du warst bei Colorado State früh auf dem Feld und hast dort als Offensive Lineman direkt Verantwortung übernommen. Wie prägend war diese erste College-Station für deine Entwicklung?
Ohne die Erfahrung bei Colorado State wäre ich niemals an dem Punkt, an dem ich heute bin. Mein damaliger O-Line Coach hat an mich geglaubt, sogar mehr, als ich selbst an mich geglaubt habe. Ohne ihn würde ich heute wahrscheinlich keinen Football mehr spielen.
Danach ging es für dich zu Nebraska, einem großen Football-Programm mit enormer Tradition. Was hat diese Zeit bei den Cornhuskers sportlich und menschlich mit dir gemacht?
Nebraska ist und wird für mich immer eine neue Heimat sein. Ich habe dort Freunde und eine neue Familie kennengelernt. Ich habe dort meine Freundin kennengelernt. Mein Leben ist Nebraska. Ich möchte dort leben und meine Kinder dort aufwachsen lassen. Sportlich gäbe es ohne Nebraska den Footballspieler Nouredin nicht. Durch die Highs und Lows, die ich dort als Spieler erlebt habe, habe ich gelernt, wie man spielt, lernt und arbeitet.
2023 hast du bei Nebraska viele Spiele als Guard gestartet. Was braucht ein Offensive Lineman auf diesem Niveau neben Kraft und Technik vor allem im Kopf?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich persönlich finde, als Guard musst du wissen, was der Tackle neben dir machen wird und was der Center machen wird, bevor er es dir sagt. Du musst es antizipieren können, damit du weißt, was deine Aufgabe ist und ob du ihnen helfen kannst.
Nach dem College kam die Chance bei den New Orleans Saints. Wie hast du diesen Moment erlebt, als klar war, dass du eine NFL-Chance bekommst?
Ich wünschte, es wäre länger gewesen. Aber ich freue mich sehr, dass ich als deutscher Footballspieler und, soweit ich weiß, auch als erster tunesischer Spieler die Chance hatte, bei einem NFL-Team unterschrieben zu sein. Das Ziel ist immer noch, irgendwie wieder dorthin zu kommen, auch wenn die Chance gering ist.
Du hast danach auch Erfahrungen im CFL-Umfeld gesammelt. Was unterscheidet die Football-Kultur in Kanada von College Football und NFL-Strukturen?
Football in Kanada ist ein ganz anderes Beast. Ich würde jedem empfehlen, sich einmal ein kanadisches Footballspiel anzuschauen, weil es wirklich interessant ist. Ich persönlich hatte dort keine so gute Erfahrung, weil es Regeln gab, die mir als Global Player, also als Nicht-Amerikaner und Nicht-Kanadier, leider im Weg standen. Dadurch durfte ich nicht spielen.
Jetzt bist du bei den Munich Ravens im Roster. Was hat dich an München, an den Ravens und an diesem neuen Kapitel gereizt?
Kendral Ellison und Sean Shelton. Die beiden haben mir gezeigt, dass Football nicht alles ist, sondern dass der menschliche Kontakt mit verschiedenen Menschen, Kulturen und Persönlichkeiten wichtiger ist als Football selbst. Diese beiden sind der Grund, warum ich nach München gekommen bin.
Die Ravens haben ambitionierte Ziele und wollen sich in Europa weiter etablieren. Welche Rolle möchtest du in dieser Offensive Line einnehmen?
Wie man im Spiel sehen konnte, ist Offensive Line nicht die einzige Rolle. Aber ganz ehrlich: Ich habe von Anfang an gesagt, mir ist egal wie, ich will dem Team helfen zu gewinnen. Ob das in der O-Line ist, in der D-Line oder ob ich an der Sideline den Spielern Wasser gebe. Kanada hatte mir wirklich den Spaß am Sport genommen. Im Spiel gegen die Galaxy hatte ich wieder das Gefühl, das ich damals bei meinem allerersten Training überhaupt hatte.
Du bringst Erfahrung aus Deutschland, College Football, NFL-Umfeld und CFL mit. Was kannst du jungen europäischen Spielern mitgeben, die ebenfalls international angreifen wollen?
Zwei Sachen: Availability is your greatest ability. Und versuche, so sehr wie möglich coachable zu sein. Du willst nicht eine Technik falsch machen, gesagt bekommen, wie man sie richtig macht, und es dann wieder falsch machen. Damit bist du schnell weg vom Fenster.
Wie bewertest du aktuell die Entwicklung von American Football in Deutschland und Europa – gerade mit Blick auf Teams wie die Munich Ravens?
Ich persönlich finde, dass es zu viel Gegeneinander gibt. Du hast jetzt zwei europäische Ligen und dazu noch viele Landesligen, die alle gegeneinander arbeiten und sich Spieler klauen. Das finde ich natürlich ein bisschen schwierig. Gleichzeitig finde ich, dass die Ravens einen guten Job machen, es für internationale und Homegrown-Spieler attraktiv zu machen.
Wenn Fans der Munich Ravens dich in dieser Saison auf dem Feld sehen: Wofür soll der Name Nouredin Nouili stehen?
Der Name Nouredin Nouili steht und wird immer dafür stehen, dass ich versuche, der beste Teammate zu sein, dem Team so gut wie möglich beim Gewinnen zu helfen und dabei immer Spaß zu haben. Du wirst mich nicht traurig sehen. Egal wie: Ich darf ein Kinderspiel als meinen Job machen. Es gibt keinen Grund für mich, nicht jeden Tag mit Freude anzugreifen. Ich freue mich sehr auf das erste Heimspiel in München, damit die Fans sehen können, dass ich dieses Spiel liebe. GO RAVENS!
Ein großes Dankeschön an Nouredin Nouili für die offenen Antworten und den sehr persönlichen Blick auf seine Football-Reise. Seine Geschichte zeigt, wie weit Leidenschaft, Coachability, Rückschläge und echte Freude am Spiel tragen können.